Ergebnisse der Studie „Schule 2.0“

Im August 2011 wurden die Ergebnisse der Studie „Schule 2.0“ vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) veröffentlicht. Es handelt sich dabei um eine repräsentative Untersuchung zum Einsatz elektronischer Medien an Schulen aus Lehrersicht.

Die Studie basiert auf einer Befragung von 501 Lehrer/innen verschiedener Fächer und unterschiedlicher Schulformen der Sekundarstufen I u. II (Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen, Gymnasien). Befragt wurden die Lehrer/innen

  1. zu ihrer persönlichen Einstellung gegenüber elektronischer Medien und zu ihrer Medienausstattung und Mediennutzung zur Unterrichtsvorbereitung („Lehrer und Technik“).
  2. zum „Einsatz elektronischer Medien im Unterricht“: persönliche Einstellung, Häufigkeit, Einsatzzwecke und den angenommenen Vorteilen von Medien.
  3. zu den „Voraussetzungen an Schulen“: technische Ausstattung, Weiterbildung, Rahmenbedingungen sowie Forderungen an Politik und Wirtschaft.

Die Ergebnisse:

  1. „Lehrer und Technik“:
    • Lehrer/innen sind besser mit moderner Kommunikationstechnik ausgestattet als der Durchschnittsbürger. Z.B. verfügen 90% über Breitbandinternet und bereits 42% nutzen ein Smartphone.
    • 85% haben eine positive Einstellung gegenüber elektronischen Medien, 10% davon bezeichnen sich sogar als Technik-Fans. Bei letzteren handelt es sich überwiegend um männliche Lehrer, die jünger als 40 Jahre alt sind und MINT-Fächer unterrichten. Bezüglich der Schulformen gibt es keine Unterschiede.
    • 78% der Lehrer/innen erledigen die Unterrichtsvorbereitung mindestens ein Mal pro Woche mit dem Computer, davon 11% sogar täglich und 38% mehrmals pro Woche. Der Fremdsprachenunterricht steht hier mit 44% an dritter Stelle nach sonstigen Fächern (58%) und MINT-Fächern (47%). Lehrer/innen, die an Gesamtschulen und Gymnasien unterrichten, bereiten ihren Unterricht häufiger mit dem Computer vor, als Lehrer/innen an anderen Schulformen.
  2. „Einsatz elektronischer Medien im Unterricht“
    • Die meisten Lehrer/innen (77%) haben eine positive oder eher positive Einstellung gegenüber dem Einsatz elektronischer Medien im Unterricht. Dabei handelt es sich vor allem um jüngere Lehrer/innen, Lehrer/innen von Mint-Fächern und Gymnasiallehrer.
    • Am häufigsten wird der Beamer (94%) im Unterricht eingesetzt (im Fremdsprachenunterricht etwas seltener (91%) als in den anderen Fächer), gefolgt vom Overheadprojektor(63%) und dem stationären PC (62%, FSU 61%). Auch mobile Computer werden relativ oft eingesetzt (49%): vermutlich handelt es sich hier nur um ein einzelnes Gerät, z.B. um den Beamer daran anzuschließen. Es folgen CD oder Mp3 (49%) und DVD-Player (49%), wobei mich hier überrascht, dass diese Medien im Fremdsprachenunterricht entgegen meiner Erwartung seltener zum Einsatz kommen als in anderen Fächern (46% bzw. 44%). Kassettenrekorder oder Plattenspieler kommen ebenfalls auf 49%: erstaunlich, dass diese überhaupt noch verwendet werden und vor allem mit dieser Häufigkeit…wobei wohl eher Kassettenrekorder gemeint sein werden… Noch erstaunlicher, dass hier der Fremdsprachenunterricht nach Fächern mit 52% vorne liegt. Meiner Meinung nach ist dies auf älteres Unterrichtsmaterial (Hörtexte oder Hörspiele) zurückzuführen, die nicht als CD oder Mp3 vorhanden sind. Immerhin 34% der Befragten setzen Whiteboards in ihrem Unterricht ein. Foto- und Video-Kameras (14%) und Spielekonsolen (3%) werden selten im Unterricht eingesetzt.
    • Computer und Whiteboards werden durchschnittlich nur ein Mal in der Woche (37%) oder noch seltener (35%) im Unterricht eingesetzt, am häufigsten im Gymnasium.
    • Einsatzzwecke elektronischer Medien (PC, Notebooks und Whiteboards) sind vor allem Internetrecherchen der Schüler (88%), gefolgt von Präsentationen durch Schüler (83%) und Lehrer (68%) und die Nutzung spezieller Lernprogramme (45%, im FSU sogar 78%!). Weiterhin werden Videos und Podcasts (25%), die Gestaltung einer Webseite (21%), die Nutzung sozialer Netzwerke (11%) und andere Zwecke (27%) genannt.
    • 79% der Befragten sind vom positiven Nutzen des PC- und Interneteinsatzes im Unterricht überzeugt. Jeweils mehr als 70% stimmen den Aussagen zu, dass PC und Internet mehr Gruppenarbeit und individuelle Förderung ermöglichen, das Lerntempo, die Motivation und die Konzentration steigern können und sie damit Lerninhalte und Zusammenhänge besser darstellen können.
    • 48% der Lehrer/innen denken, dass der Einsatz sozialer Netzwerke die Diskussion der Schüler untereinander anregt, 34% glauben, dass dadurch die Diskussion zwischen Lehrer und Schülern unterstützt wird und 26% meinen, dass der Unterricht durch die Bereitstellung von Informationen in sozialen Netzwerken unterstützt werden kann. Ein Viertel (26%) kann sich einen Einsatz von sozialen Netzwerken im Unterricht nicht vorstellen.
  3. „Voraussetzungen an Schulen“
    • Nur 24% der Befragten schätzt die technische Ausstattung der Schule als gut ein. Knapp die Hälfte (48%) halten sie für mittelmäßig, 18% sogar für schlecht.
    • Nur knapp die Hälfte der Befragten (47%) hat in den letzten drei Jahren eine oder mehrere Weiterbildungen über neue Medien besucht. Dabei handelt es sich überwiegend um jüngere Lehrer/innen, obwohl die Studie zeigt, dass ältere Lehrer/innen seltener mit elektronischen Medien arbeiten und diesen auch skeptischer gegenüber stehen.
    • Die meisten Lehrer/innen wünschen sich eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Einsatz elektronischer Medien: z.B. mehr einschlägige Qualifizierungsangebote (90%), Verbesserung der technischen Ausstattung der Schule (88%), Mangel eines Zuständigen an der Schule, der sich um die Technik kümmert und bei Problemen hilft (86%), bessere Ausrichtung des Lehrplans auf den Einsatz elektronischer Medien (85%).
    • Forderungen an Politik und Wirtschaft: 98% finden, dass mehr in elektronische Medien investiert werden sollte. Je 96% sind der Meinung, dass mehr Schülerpraktika angeboten und mehr Lehrer eingestellt werden sollten. 90% denken, dass generell mehr Geld in die schulische Bildung investiert werden sollte. 64% sind der Ansicht, dass der Bund mehr Zuständigkeiten in der Bildungspolitik übernehmen sollte. Bezüglich eines einheitlichen Schulsystems in Deutschland herrscht Uneinigkeit (52% pro, 48% contra).

Der folgende Link führt zum Ergebnisbericht der Studie „Schule 2.0“ (BITKOM). Dort können Sie die genannten Ergebnisse nachlesen und mehr über die Methodik der Studie erfahren.

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