Workshop für Lehrer zum Thema „Inverted Classroom“ – ist das auch was für den FSU?

Im NotizBlog von www.e-teaching.org wurde heute ein Veranstaltungshinweis veröffentlicht: am 14. und 15. Februar findet an der Philipps-Universität in Marburg die erste deutschsprachige Konferenz zum Thema „Inverted Classroom“ statt. Neben der Konferenz können sich Lehrer auch für einen Workshop anmelden.

Worum geht es? „Inverted Classroom“ (oder auch „Flipped Classroom„) heißt soviel wie „vertauschter Klassenraum“ und bedeutet, dass Teile des Unterrichts, in denen Informationen als Vorträge bzw. im Frontalunterricht vermittelt werden, vom Lehrer im Vorfeld als Video aufgezeichnet und von den Schülern dann als Hausaufgabe angesehen werden. In der Unterrichtsstunde wird dieser Lerninhalt dann vertieft, angewendet, geübt, usw. Vertauscht werden also Unterricht und Hausaufgabe.

„Lehrervortrag“ und „Frontalunterricht“ klingt zunächst völlig überholt – gibt es das überhaupt noch? Heutzutage soll Unterricht doch schüler-, problem-, lernziel-, kompetenz-, anwendungs- und handlungsorientiert sein! Entdeckendes, selbstgesteuertes und kooperatives Lernen wird gefordert. Zudem soll an vorhandenes Vorwissen angeknüpft werden. Wie passt das alles mit Lehrervorträgen zusammen?

Die Methode des „inverted classroom“, die in den USA weit verbreitet ist und seit 2004 auch in Deutschland angewendet wird, kommt häufig in naturwissenschaftlichen Fächern zum Einsatz. In Fächern wie Chemie und Physik gibt es z.B. Lehrervorträge, wenn der Lehrer Experimente vorführt. Für den Fremdsprachenunterricht fällt mir da erstmal nur die Semantisierung eines neuen Wortfeldes ein (wobei das eher in einem Unterrichtsgespräch mit den Schülern stattfindet, da diese ja die neuen Wörter wiederholen und in verschiedenen Situationen und Kontexten anwenden sollen) sowie vor allem Hörtexte. Diese werden jedoch häufiger von einer CD abgespielt, als vom Lehrer vorgetragen.

Die Vorteile, die das Hören des Hörtextes bzw. das Anschauen eines Lehrervortragsvideos als Hausaufgabe (natürlich verbunden mit Hörverstehensaufgaben, wie richtig/falsch- oder multiple-choice-Fragen) hat, sind folgende:

  • Die Schüler können sich den Text so oft anhören und anhalten, wie sie wollen. (Individuelles Lerntempo)
  • Mit Hilfe von mobilen Medien (Smartphones, usw.) können sie über das Internet jederzeit, an jedem Ort auf das Video zugreifen. (Mobiles Lernen)
  • Fehlende Schüler verpassen so keinen Unterrichtsstoff.
  • Videos sind einfacher zu verfolgen als Hörtexte (z.B. wenn der Lehrer etwas an die Tafel schreibt), da sie weniger Konzentration erfordern (im Gegensatz natürlich zu Filmen, da dort zusätzlich die Bilder/Kameraeinstellungen usw. analysiert werden müssen).
  • Für einen gefilmten Vortrag kann man ggf. – falls vorhanden – ein interaktives Whiteboard mit einem entsprechend vorbereiteten Tafelbild nutzen, auch wenn es zur Unterrichtszeit nicht zur Verfügung steht.
  • Solche Videos eignen sich gut zur Kooperation mehrerer Fremdsprachenlehrer und zur Einbindung von Muttersprachlern: die Lehrer können das Video gemeinsam vorbereiten und in mehreren Kursen verwenden. Falls ein Muttersprachler bzw. Fremdsprachenassistent an der Schule ist, können so alle Schüler davon profitieren und nicht nur der Kurs, in dem er assistiert.
  • Da Hörtexte viel Zeit in Anspruch nehmen, steht diese im Unterricht anderweitig (z.B. für die Vertiefung, die Arbeit mit dem Text) zur Verfügung. Natürlich darf das Video auch nicht zu lang sein, wenn es als Hausaufgabe verwendet wird.

Aber es gibt auch Nachteile:

  • Nicht jeder Schüler macht immer seine Hausaufgaben, so dass eine ausreichende Vorbereitung nicht unbedingt gegeben ist. Das Video muss also bei Bedarf noch einmal im Unterricht gezeigt werden (z.B. einzelnen Schüler).
  • Die Schüler können nicht sofort nachfragen, wenn sie etwas nicht verstanden haben, erst in der Unterrichtsstunde.
  • Die Schüler müssen einen Internetzugang zu Hause oder in der Schule (z.B. in einem Selbstlernzentrum) zur Verfügung haben.
  • Ein Lehrervortrag muss für den geplanten Unterricht die passende, zielführende Methode sein.
  • Die Vorbereitung des Videos nimmt u.U. mehr Zeit in Anspruch. Dafür kann es allerdings mehrfach verwendet werden.

Ob man für den Fremdsprachenunterricht wirklich solche Videos von Lehrervorträgen braucht? Wenn ja, wie kann man sie sinnvoll einsetzen? Vielleicht reichen doch Podcasts, wenn es vor allem um das Hörverstehen geht?

Wahrscheinlich gibt die oben erwähnte Veranstaltung Antworten auf diese Fragen und zeigt weitere Einsatzmöglichkeiten auf. Mehr über den Workshop und die Konferenz erfahren Sie im Blog zur Veranstaltung. Dort können Sie sich auch anmelden.

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